Durchzeichnungen der verlorenen Monumentalmalerei auf der Chortrennmauer
Nachdem am 3. Juli 1863 als letztes Gewölbe von Lang- und Querhaus des Domes das große Vierungsgewölbe geschlossen worden war, konnte der Abbruch der provisorischen Mauer erfolgen, die über Jahrhunderte den um 1320 vollendeten Domchor vom unvollendeten Quer- und Langhaus des Domes getrennt hatte. Die Arbeiten waren am 12. September 1863 abgeschlossen. Dies bedeutete auch das Ende des monumentalen mittelalterlichen Wandgemäldes von Christus, Petrus und Paulus im Scheitel der Trennwand.
Da die »Erhaltung, resp. Ablösung des auf der Ostseite der Abschlußmauer angebrachten Tempera-Gemäldes […], da die Farben unmittelbar auf die Hausteinfläche aufgetragen, nicht thunlich« gewesen sei, ließ der damalige Dombaumeister Richard Voigtel (amt. 1862–1902) es zumindest durch eine »photographische Aufnahme […], die Anfertigung einer genauen Farbenskizze und die Durchzeichnungen der drei Hauptfiguren« relativ detailliert dokumentieren.
Durch Publikationen veröffentlicht wurden bisher die Fotografie von Friedrich Raps und die eher einer aufwendigen Miniaturmalerei gleichende »Farbenskizze« von Weber und Deckers. Unveröffentlicht blieben, abgesehen von einer kurzen Erwähnung bei Arnold Wolff, die erwähnten Durchzeichnungen der drei Hauptfiguren, obwohl diese die Konturen des Gemäldes wesentlich detaillierter als das Aquarell oder die Fotografie wiedergeben.
Dass die Pausen bisher keine Beachtung gefunden hatten, liegt an den gewaltigen, schwer handhabbaren Formaten. Die 25 Pausen sind aus insgesamt 57 Blättern Transparentpapier zusammengesetzt. Die größte Pause hat eine gewaltige Länge von 4,62 m und zeigt nahezu die vollständige mittlere Achse der Christusfigur vom Nimbus bis zum Thronschemel.
Abgepaust wurde die vollständige Christusfigur. Von den Apostelfiguren wurden hingegen nur die Oberkörper bis zum Hüftbereich abgepaust. Die Unterkörper der Apostelfiguren, die Stifterfigur und die Wappen wurden hingegen nicht durchgezeichnet. Dies dürfte dem enormen Zeitdruck beim Abbruch der Wand geschuldet sein.
Um die Pausen für die Forschung zu erschließen, wurden sie im Sommer 2025 von Jennifer Rumbach neu fotografiert und von Konstantin Kruse zu drei digitalen Gesamtbildern zusammengesetzt. Die an einzelnen Nahtstellen zu beobachtenden Versprünge wurden dabei korrigiert. Zusammen mit einem kleinen Katalog der einzelnen Pausen werden parallel zur Veröffentlichung eines wissenschaftlichen Aufsatzes im Kölner Domblatt die Bilder an dieser Stelle in hoher Auflösung veröffentlicht, die auch eine nähere Betrachtung der Details ermöglicht.
Probeweise wurde am Beispiel der Christusfigur von Konstantin Kruse die ursprüngliche Farbigkeit entsprechend der Eintragungen auf den Durchzeichnungen rekonstruiert.
Matthias Deml: Durchzeichnungen der verlorenen Monumentalmalerei auf der Chortrennmauer. Aus den Beständen und Sammlungen des Domes und des Dombauarchivs, in: Kölner Domblatt 90, 2025, S. 92–139.