Domgrabung

Seit 1946 wird der Untergrund des Domes archäologisch erforscht. Neben den Fundamenten der heutigen Kathedrale konnten hier die Überreste von zwei Vorgängerkirchen untersucht werden, deren jüngste, der sog. Alte Dom in der Zeit Karls des Großen um 800 entstanden ist.

Darüber hinaus weisen Grabfunde sowie das unmittelbar östlich des Domchores aufgedeckte Baptisterium auf eine der frühesten christlichen Gemeinden im Norden des römischen Reiches.

Im Rahmen der Ausgrabungen sind etwa 4000 qm des Domuntergrundes untersucht worden und bis heute weitgehend zugänglich. Ein Rundgang durch das Grabungsgelände ist im Rahmen von Führungen möglich und steht jedem Interessierten ab 16 Jahren frei. Er wird ergänzt durch einen Besuch des Baptisteriums sowie eine Besichtigung des südlich anschließenden Schaudepots der Domgrabung. Einige weitere Funde, darunter die kostbaren Beigaben königlicher fränkischer Gräber des 6. Jahrhunderts sind in der Domschatzkammer ausgestellt.

Geschichte

Die am 21. Mai des Jahres 1946 einsetzende Domgrabung bot erstmals die Möglichkeit, nach den Überresten der karolingischen Kathedrale zu suchen. In den ersten zehn Jahren bis zur Wiedereröffnung des Gotteshauses 1956 wurden der Grundriss dieses Alten Domes mit wesentlichen Merkmalen sowie noch ältere Baureste ergraben. Diese ersten Ergebnisse wurden in einer Ausstellung einem breiten Publikum bekannt gemacht.

Danach ging man an eine Neueinrichtung der erzbischöflichen Bestattungen des 19. und 20. Jahrhunderts und stieß in diesem Zuge 1959 auf zwei fränkische Gräber des 6. Jahrhunderts, die wegen ihrer – damals üblichen – Beigabenfülle zu den bedeutendsten Bestattungen dieses frühmittelalterlichen Reiches gehören. Eine der hier beigesetzten Personen konnte als die fränkische Königin Wisigarde identifiziert werden. Nicht zuletzt diese Funde machten seither die besondere Bedeutung der Domgrabung aus.

Theuderich hatte seinen Sohn Theudebert mit Wisigarde, einer (langobardischen) Königstochter, verlobt. (...) Und da es bereits das siebente Jahr war, dass Theudebert mit Wisgarde verlobt war und sie (...) nicht zu seinem Weibe nehmen wollte, traten die Franken zusammen und machten ihm heftige Vorwürfe (...). Da gab er nach (...) und nahm Wisigarde zum Weibe. Als er sie noch nicht lange hatte, starb sie und er nahm ein andres Weib. (Gregor von Tours, Geschichten III, Kap. 20, 27)

In den folgenden 25 Jahren wurde das Bild des Alten Domes vervollständigt. Es konnten aber auch zahlreiche Einzelbefunde zu dessen frühmittelalterlichen Vorgängern ausgegraben werden, insbesondere zu ihrer Innenausstattung. Die 1986–1997 fortgesetzte und seither in mehreren Einzelprojekten durchgeführte Feldforschung galt vor allem der archäologischen Untersuchung der gotischen Kathedrale. Der jetzt genauer feststellbare Bauablauf förderte oft überraschende Erkenntnisse und viele technische Details zutage. Nach der Publikation der bisherigen Ergebnisse zu den drei wichtigsten Phasen liegt der Schwerpunkt der Domgrabung heute auf der Inventarisation, wissenschaftlichen Auswertung und Bewahrung sowie Präsentation der Funde und Baustrukturen.

Forschungen

In kaum einer Kathedrale fanden so umfangreiche archäologische Ausgrabungen statt wie unter dem Kölner Dom. Seit über 70 Jahren wird sein Untergrund erforscht, und nunmehr ist ein gewaltiges Archiv an Bodendenkmälern freigelegt, welches die Archäologen in den letzten Jahren systematisch aufarbeiten. Dies gilt für über 2.000 Mauer- und Fußbodenreste, Gruben, Gräber und Fundamente ebenso wie für 260.000 Funde, vorwiegend Keramik, Glas, Stein, Metall und Bein.

Die Ergebnisse der Grabungen sind dem interessierten Leserkreis in Buchform zugänglich gemacht.

Der Vorgänger der heutigen Kathedrale, der Alte Dom, bildet einen Schwerpunkt der Forschungen. Daneben stehen die Rekonstruktion des Dombaus in gotischer Zeit sowie die Entwicklung der spätantiken und frühmittelalterlichen Kirchenbauten im Focus der Untersuchungen. Ein zukünftiges Augenmerk wird auf den unter dem Dom freigelegten römischen Strukturen und ihrer Einbindung in das umgebende Stadtbild liegen.

Besichtigung

Die archäologischen Ausgrabungen unter dem Kölner Dom sind im Rahmen von Führungen zu besichtigen. Alle notwendigen Informationen finden Sie unter folgendem Link: Ausgrabungsführungen 

Kontakt

Metropolitankapitel der Hohen Domkirche Köln 
Dombauhütte Köln – Domgrabung 
Ansprechpartnerin: Ruth Stinnesbeck M. A.
Roncalliplatz 2
50667 Köln

Telefon: 0221 / 17940-300

E-mail: info@domgrabung-koeln.de

Publikationen

Die archäologischen Befunde und Ergebnisse zu den frühen Kirchen unter dem Kölner Dom, dem Alten Dom, sowie der gotischen Kathedrale sind in drei Bänden der Reihe Studien zum Kölner Dom erschienen:

Die frühen Kirchen unter dem Kölner Dom

Die frühen Kirchen unter dem Kölner Dom

Sebastian Ristow

Die abschließende Auswertung der Kölner Domgrabung erweist für Spätantike und Frühmittelalter eine kontinuierliche Nutzung des wichtigen innerstädtischen Baugrundes. Damit ist die Beurteilung eines in der Forschung kontrovers diskutierten Fundplatzes möglich, der weit über das Rheinland hinaus hohe Bedeutung für die Kirchenarchäologie und die Fragen nach Kontinuität und Ablauf der Christianisierung besitzt.

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Der Alte Dom zu Köln

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Der unmittelbare Vorgängerbau der heutigen gotischen Kathedrale zu Köln wird seit deren Baubeginn um die Mitte des 13. Jahrhunderts als ›Alter Dom‹ bezeichnet. Dieser war eine 95 x 41 m große, doppelchörige Basilika mit vier Querarmen und zunächst drei, später fünf Langhausschiffen. 

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Die Baugeschichte des Kölner Domes nach archäologischen Quellen

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