Holz

Auch wenn die gotischen Kathedralen inmitten der Städte wie gigantische Steingebirge erscheinen mögen, ohne Holz wäre ihr Bau im Mittelalter unmöglich gewesen. Auch heute ist Holz ein unverzichtbarer Baustoff für den Dombau.

Holz bedurfte es bereits von Anfang an, um die gewaltigen Fundamentgruben abzustützen, Baugerüste und Leerbögen für die Gewölbe zu errichten oder zum Bau gewaltiger Baumaschinen. Noch in den 1820er Jahren wurden die im Mittelalter aus Eichenholz errichteten, in der Zeit der Französichen Revolution der Verwitterung preisgegebenen Dachstühle des unvollendeten Kölner Domes unter Verwendung von Tannenholz erneuert. Auch der überwiegende Teil der Domausstattung besteht aus Holz: Türen, Bänke, Altäre, Beichtstühle, Podeste, Skulpturen und Schränke. 

Schreiner

Der Kölner Dom besitzt 456 Holztüren, 230 Kirchenbänke sowie zahlreiche Schränke, Schranken und Beichtstühle, die von den Schreinern der Dombauhütte gewartet und repariert werden – ebenso die historischen Möbel in der Sakristei und der Dombauhütte. Auch die Erneuerung der mit hölzernen Rahmen und Schallöffnungen versehenen Fenster im Glockenstuhl fällt in den Zuständigkeitsbereich der Schreinerei.

Insbesondere die zahlreichen Außentüren der Dächer und Treppenhäuser des Domes sind besonderen Belastungen durch Witterung und regen Gebrauch ausgesetzt. Aufgrund ihrer langjährigen Erfahrungen hat die Schreinerei der Dombauhütte eigens eine auf die speziellen Bedingungen am Dom abgestimmte Türkonstruktion entwickelt. Hierdurch und durch die Auswahl besonders gut geeigneter Hölzer haben alle neuen Türen am Dom eine Lebensdauer von mindestens 100 Jahren ehe sie aufgearbeitet werden müssen.

Für alle Bereiche des Domes, der Sakristei, der Dombauhütte und der Domschatzkammer werden durch die Schreinerei auch neue Möbel und Konstruktionen angefertigt. So entstanden in den vergangenen Jahrzehnten unter anderem das Vierungs- und das Chorpodest, neue Bestuhlungen auf der Orgelempore, zahllose Büromöbel, Schränke, Bücherregale für die verschiedenen Abteilungen der Dombauhütte und der Hohen Domkirche, Umkleiden für die Domschweizerinnen, Domschweizer, Ministrantinnen und Ministranten, aber auch Teeküchen, Ausstellungsarchitektur und Klimakisten zum Transport von Kunstwerken für die Domschatzkammer und das Dombauarchiv, klimadämpfende Bilderrahmen sowie Werkzeuge für die verschiedenen Gewerke der Dombauhütte. An eigens für die Bedürfnisse der verschiedenen Gewerke angepassten Spezialwerkzeugen sind etwa zu nennen: Klüpfel, Anreißwerkzeuge und Tastzirkel für die Steingewerke, Dachleitern, Klopf- und Setzhölzer für die Dachdecker, Verbleibretter, Transportwagen und -kisten für die Glaswerkstatt. Auch die Spendenboxen der Domschweizer werden in der Schreinerei der Dombauhütte aufgearbeitet.

Kunstdepot Holz

In der ersten Etage des Nordturmes befindet sich ein Kunstdepot für ehemalige Ausstattungsstücke des Domes aus Holz: mittelalterliche Profile, Reste des im Zweiten Weltkrieg zerstörten Orgelprospektes, im 19. Jahrhundert abgebaute barocke Altarfiguren und Windfänge, Beichtstühle, Bänke, Türen, Tabernakel aus dem 19. und 20. Jahrhundert. Sie dienen auch als Vorlage bei der Restaurierung und Erneuerung von Dommobiliar.

Ferner hält die Schreinerei in ihrem Lager ein Sortiment von etwa 50 Kubikmetern Holz in über 100 verschiedenen Holzarten sowie ein großes Sortiment an historischen Beschlägen und Schrauben, die in dieser Form seit langem nicht mehr produziert werden, vorrätig. Für die Restaurierung historischer Ausstattungsstücke ist es von enormer Bedeutung, stets geeignetes Ersatzmaterial zur Verfügung zu haben, was den hohen Aufwand der platz- und kostenintensiven Lagerhaltung notwendig macht.

Zimmerleute der Dombauhütte beim Abrüsten der Türme 1881.

Zimmerleute

Im Mittelalter und im 19. Jahrhundert waren die Zimmerleute neben den Steinmetzen der wohl wichtigste Berufszweig der Dombauhütte. Ihre Fähigkeiten waren nicht erst beim Bau des Dachstuhles gefragt, sondern sie waren von Anfang an auf der Baustelle tätig. Die riesigen, im Südturmbereich über 16 Meter tiefen Fundamentgruben mussten mit Schalbrettern und Balken abgestützt werden, damit das Erdreich nicht ins Rutschen geriet und die Arbeiter verschüttet wurden. Deutlich haben sich die Abdrücke der Hölzer an vielen Fundamenten des Domes, so an denen der südlichen Seitenschiffwand, bis heute erhalten. Gerüste, Hüttengebäude und Baumaschinen bis hin zum gewaltigen Domkran auf dem Südturm mussten erstellt werden.

Im 19. Jahrhundert erregte vor allem das gewaltige, 157 Meter hohe Holzgerüst Aufsehen, mit dem die beiden Westtürme im Zuge ihres Vollendungsbaues eingerüstet worden waren. Seit der Mitte des 20. Jahrhunderts werden am Dom keine Holzgerüste mehr verwendet. Die Dombauhütte beschäftigt daher heutzutage fünf Gerüstbauer, von denen drei gelernte Zimmerleute sind.