Gerüste

"Der Kölner Dom ohne Gerüste ist keine Wunsch-, sondern eine Schreckensvorstellung." Dieser oft zitierte Satz der ehemaligen Dombaumeisterin Barbara Schock-Werner wird auch in ferner Zukunft nicht an Aktualität verlieren. Schließlich sind die Gerüste das weithin sichtbare Zeichen, dass der Dom für die Nachwelt erhalten wird.

Gerüstbauer

Die Dombauhütte beschäftigt zur Zeit fünf Gerüstbauer, von denen drei gelernte Zimmerleute sind. Sie sind gewöhnlich die ersten und letzten auf einer Baustelle, denn für nahezu alle Arbeiten am Dom sind größere oder kleinere Gerüste notwendig. Diese dienen dem Steintechniker, den Versetzsteinmetzen, Kunstglasern, Malern, sowie den Glas-, Stein- und Wandmalereirestauratoren aber auch den Fotografinnen als Arbeitsebenen. Es ist von großem Nutzen für die Dombauhütte, eigene Gerüstbauer zu beschäftigen, da diese bei der Gestaltung der Gerüste sehr flexibel auf die Bedürfnisse der anderen Werkgruppen eingehen können. Auch kann bei kurzfristigen Aufgaben, etwa nach Sturmschäden, unmittelbar gehandelt werden. Allein schon wegen der schieren Größe der Kathedrale sind von den Gerüstbauern besondere Kenntnisse und Fähigkeiten gefragt. Ferner besteht der Anspruch, besonders sensibel mit dem historischen Bauwerk und seiner Ausstattung umzugehen und zum Beispiel das Mauerwerk nicht durch Dübellöcher zu beschädigen. Besonders spektakulär ist das etwa 30 Meter hohe Hängegerüst am Nordturm, dessen Konstruktion durch die Gerüstbauer der Dombauhütte eigens entwickelt wurde.

Das ab März 2011 errichtete Hängegerüst an der Nordwestecke des Nordturmes ist inzwischen das dritte Gerüst seiner Art. Das erste war 1996/97 an der Südwestecke des Turmes aufgebaut worden. Es hing etwa zehn Jahre am Turm, wurde im Sommer 2006 bis auf seine Hauptträger zurückgebaut, die im August 2006 mit Hilfe eines gewaltigen Spezialkrans unter großer Anteilnahme der Öffentlichkeit abgenommen wurden. Es folgte 2002 bis 2013 die Einrüstung der Südostecke. Das aktuelle Gerüst wird vorraussichtlich im Sommer 2020 zurückgebaut und ebenfalls mit Hilfe eines Baukranes abgenommen werden. Die Hängegerüste wurden eigens für die Restaurierung der gewaltigen, etwa dreißig Meter hohen Eckfialtürme der beiden Domtürme entwickelt. Sie bestehen aus vergleichsweise leichten Gerüstelementen aus Aluminium, wie sie etwa für den Bühnenbau Verwendung finden. Die Konstruktion wurde von den Gerüstbauern der Dombauhütte so konstruiert, dass die Gerüste ausschließlich am Helm des Turmes befestigt sind und sich nur gegen das Mauerwerk des Turmes lehnen. Dieses wird daher durch keine feste Verankerung beschädigt. Damit das Maßwerk des Helmes nicht punktuell belastet wird, sind auf beiden Seiten des Helmes untereinander verbundene, auf dem Maßwerk aufliegende Gerüstkonstruktionen angebracht, die die Zugkräfte des an ihnen befestigten Hängegerüstes auf den gesamten Turmhelm verteilen.

Anders als gewöhnliche Gerüste werden die Hängegerüste nicht von unten nach oben errichtet. Es wird zunächst die obere Gerüstplattform errichtet. Anschließend wird der untere Gerüstrahmen gebaut, der an der oberen Ebene aufgehängt ist. Erst dann werden die beiden Ebenen mit den dazwischenliegenden Gerüstbindern verbunden. Während der Restaurierungsarbeiten werden immer nur wenige Arbeitsebenen eingebaut, um das Gewicht und die Windlast so gering wie möglich zu halten. Das Gerüst muss daher permanent den aktuellen Arbeiten angepasst werden. 

Nach der Abrüstung der Nordwestecke des Nordturmes werden zunächst die beschädigten Fialen auf der Galerie unterhalb des Turmhelmes eingerüstet und restauriert. Es folgt die Einrüstung der Nordostecke. Sobald die Arbeiten am Nordturm abgeschlossen ist, wird die Restaurierung der Türme am Südturm des Domes fortgesetzt. Die Hängegerüste am Dom werden die Westfassade des Domes daher noch für Jahrzehnte prägen.