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Kölner Dombauhütte erhält Peter Parler-Preis

Am Freitag, den 25. November 2022, erhielt die Kölner Dombauhütte im Rahmen der »denkmal Leipzig 2022«, der Leitmesse für Denkmalpflege und Restaurierung in Deutschland, den Sonderpreis 2022 des renommierten Peter Parler-Preises. Ausgezeichnet wurde die Dombauhütte für die vorbildliche Restaurierung des Michaelsportales des Kölner Domes.

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Kölner Dombauhütte und Dombaumeister Dipl.-Ing. Peter Füssenich erhalten in Leipzig von Bundesinnungsmeister Markus Steininger den Sonderpreis.

Beeindruckt hat die Juroren vor allem »das konstruktive Miteinander von Steinmetzhandwerk, Bildhauerkunst und Restaurierungswissenschaft unter Einbeziehung vermeintlicher Randgewerke wie fotografischer Dokumentation, 3-D-Aufmaß, Gerüstbau und der Bauhüttenschmiede […] bei der gemeinsamen Suche nach den besten Lösungen für die vielfältigen Fragestellungen dieses Vorhabens.« Der Entwicklungsprozess vom 3-D-Druck über Abgüsse und Mörtelergänzungen bis zur handwerklichen Kopie sei anhand von Ausstellungsstücken gut nachvollziehbar dokumentiert. Insbesondere die hohe handwerkliche Qualität der Steinmetz- und Bildhauerarbeiten begeisterte: »Feinste Details wie Fingernägel oder hinterschnittene Anhänger mit üppiger floraler Dekoration wurden in höchster Qualität nachgebildet, feinste Riefen in den Oberflächen originalgetrau auf Neuteile und Mörtelantragungen übertragen«.

Dombaumeister Peter Füssenich und eine kleine Delegation von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern verschiedener Gewerke und Berufsgruppen der Kölner Dombauhütte, die an der Restaurierung des Portals beteiligt waren, waren eigens nach Leipzig gereist, um den Preis aus den Händen des Bundesinnungsmeisters Markus Steininger in Empfang zu nehmen. Dombaumeister Peter Füssenich freut sich über die besondere Auszeichnung: »Es ist uns eine besondere Ehre, diesen Preis erhalten zu haben, der der renommierteste Preis für das Steinmetzhandwerk in Deutschland ist. Verdient haben den Preis die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Dombauhütte, die am Portal mit großen handwerklichen Fähigkeiten und höchster Perfektion gearbeitet haben. Unser Dank gebührt aber auch den Patinnen und Paten des Zentral-Dombau-Vereins, welche durch ihr finanzielles Engagement die aufwändigen und in dieser Form bisher singulären Restaurierungsarbeiten am Michaelportal erst ermöglicht haben.«

Peter Parler-Preis
Der Peter Parler-Preis wird seit über zwanzig Jahren im zweijährigen Turnus vom Bundesverband Deutscher Steinmetze und der Deutschen Stiftung Denkmalschutz (ideeller Träger) vergeben.  Er ist nach dem aus Schwäbisch-Gmünd stammenden Prager Dombaumeister Peter Parler (um 1330–1399) benannt, einem der bedeutendsten Baumeister und Bildhauer des 14. Jahrhunderts. Mit dotierten Preisen ausgezeichnet werden jeweils drei Steinmetzbetriebe, die sich in besonderer Weise um die Bewahrung von Kulturgut verdient gemacht haben. Daneben wird ein undotierter Sonderpreis an Dombauhütten oder Steinmetzbetriebe ohne Innungszugehörigkeit vergeben. Der Peter Parler-Preis soll Betriebe ermutigen, sich verstärkt im Bereich der Denkmalpflege zu engagieren und die konstruktive Interaktion zwischen den handwerklichen, akademischen und naturwissenschaftlichen Verantwortlichen festigen und fördern.

Restaurierung des Michaelportals
Das Michaelsportal ist das zentrale Portal der Nordquerhausfassade. Sein Skulpturenschmuck entstand zwischen 1878 und 1881 in der Werkstatt des Dombildhauers Peter Fuchs. Im Zweiten Weltkrieg erlitt das Portal schwere Schäden durch Bomben-, Granatsplitter und auffliegendes Material sowie durch unmittelbaren Beschuss. Während die Architektur der Querhausfassade in den 1960er- und 1970er-Jahren umfassend und in modernisierter Form wiederhergestellt wurde, zeigte das Portal und sein Skulpturenschmuck noch immer starke Zerstörungen. Lediglich die im Krieg abgesprengten Köpfe und Attribute der großen Gewändefiguren wurden zwischen 1965 und 1972 in betont moderner Formensprache ergänzt. In den Archivolten (Bogenlaibungen) und Relieffeldern der Tympana (Bogenfelder) klafften hingegen noch immer Einschusslöcher und kraterförmige Aussprengungen. Zahlreiche Figuren, Reliefs und Baldachine waren verstümmelt oder gänzlich zerstört. Diese Fehlstellen in der ursprünglichen Form wiederherzustellen und dabei die erhaltene Originalsubstanz umfassend zu bewahren, ist neben einer schonenden Reinigung der Steinoberflächen die Aufgabe der 2013 begonnenen und inzwischen weit fortgeschrittenen Restaurierung und Konservierung. Nach der substanzschonenden Reinigung des Portals wurden vollständig zerstörte Baldachine und Skulpturen durch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Dombauhütte rekonstruiert. Als Vorlage dienten die erhaltenen Originale und Gipsmodelle von Peter Fuchs. Teilzerstörte Baldachine und Skulpturen wurden durch das Setzen von passgenauen Steinvierungen ergänzt. Insbesondere bei den Baldachinen ist dieses Vorgehen wesentlich komplizierter als es ein vollständiger Austausch wäre, da hier der Anschluss an die geglätteten Bruchkanten des Originals auf den Millimeter exakt erfolgen muss. Der Aufwand lohnt sich aber, da auf diese Weise keine Originaloberflächen zerstört werden. Die Arbeiten am Tympanon und an den Archivolten stehen inzwischen kurz vor dem Abschluss. Anschließend erfolgt die Restaurierung des Wimpergs (bekrönender Giebel des Portals).

Die Restaurierung der Portalskulpturen wird über ein Patenschaftsprogramm des Zentral-Dombau-Vereins finanziert. Die Restaurierung der Architektur wird über einen Nachlass von Berta Woodward, geborene Rakowitz, bestritten, welchen die Hohe Domkirche über die Deutsche Stiftung Denkmalschutz erhalten hat. Ihr und allen, die eine Patenschaft übernommen haben, gebührt unser Dank.

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