Neues Gitter vor der Nordquerhausfassade

Seit Mitte Juni 2020 werden die Portale des Nordquerhauses und der Eingangsbereich zur Domschatzkammer durch ein künstlerisch gestaltetes, über drei Meter hohes und insgesamt etwa 47 Meter langes Schmiedeeisengitter nach Entwürfen des Architekten und Künstlers Johannes Nagel geschützt. Es wurde am 29. Juni 2020 durch den emeritierten Kölner Dompropst Gerd Bachner gesegnet.

Neues Nordquerhausgitter nach Entwürfen von Johannes Nagel. Rosette auf einem der Pfosten.

Erste Überlegungen zu dem Gitter stammten noch von seinem am 24. März 2016 verstorbenen Vater, dem Bildhauer Paul Nagel, der in Zusammenarbeit mit seinem Sohn bereits das 1996 vollendete Gitter vor der Südquerhausfassade des Domes gestaltet hatte. Gefertigt wurde das neue Gitter in der Kunstschmiede von Johannes Nagel in Wesseling (Metallwerkstätten Nagel Herdt). Die Steinarbeiten führte die Kölner Steinmanufaktur Schwieren durch.

In seiner Gestaltung zeigt das neue Gitter Reminiszenzen an das ältere Gitter, variiert dessen Formen aber und nimmt unmittelbaren Bezug zur Nordquerhausfassade, deren Einfassung es von nun an bildet. Da die Hauptansichtsseite des Domes bereits im Mittelalter die Südseite war, wurde die Nordseite im 19. Jahrhundert in einer betont reduzierteren Formensprache errichtet. Diese Vereinfachung der Detailformen greift auch das neue Gitter auf. Anders als das ältere Gitter auf der Südseite wird es durch vier Pfosten aus Basalt gegliedert, die exakt in der Achse der Strebepfeiler der Fassade stehen. Basalt ist auch der prägende Stein der Querhausfassade seit ihrer Wiederherstellung in den Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg. Die Pfosten werden durch feine Lisenen und eine steinmetzmäßige Reliefierung der Oberflächen strukturiert und auf diese Weise in ihrer Massivität reduziert.

»Meine Aufgabe habe ich darin gesehen, einerseits einen schützenden ›Schleier‹ vor den Dom zu stellen, den man im besten Fall ›nicht sieht‹ und den mit dem Bau der Domgarage verlorenen Zwischenbereich, beim Übergang vom öffentlichen zum liturgischem Raum, wiederherzustellen«, erläutert Johannes Nagel die besondere Herausforderung bei seinem Entwurf.

Wie das Gitter auf der Südseite sind auch beim Gitter vor Nordquerhausfassade zahlreiche florale Ornamente und die eine oder andere bildliche Darstellung zu finden, die zu einer näheren Betrachtung des Gitters einladen. Eine Reminiszenz an den verstorbenen Vater des Künstlers ist etwa ein noch auf einen Entwurf von Paul Nagel zurückgehender Rabe. Der tanzende Tod ist gleichermaßen Symbol für menschliche Sterblichkeit aber auch für die christliche Hoffnung auf die Auferstehung und das Ewige Leben.

Dem im April 2020 emeritierten Dompropst Gerd Bachner, in dessen Amtszeit die Planungen und die Ausführung des Gitters fielen, ist ebenfalls ein kleines Denkmal im Gitter gewidmet. Hier wird seiner Besteigung der Kreuzblume des Nordturmes gedacht. Er hatte sie – wohl als erster Dompropst in der Geschichte der Kölner Kathedrale – im Sommer 2015 bestiegen. Eine Replik der Darstellung war ihm bereits am 23. April zum Geburtstag geschenkt worden. »Es rührt mich, dass mit dieser kleinen Skulptur meine Kreuzblumen-Besteigung in Erinnerung gehalten wird«, sagt der emeritierte Dompropst. »Insgesamt finde ich, dass sich das neue Gitter in seiner Schlichtheit im Zusammenspiel mit den vier Basaltpfosten perfekt an unseren Dom anschmiegt. Es wirkt nicht wie ein Fremdkörper, sondern als habe es schon immer an diese Stelle gehört.«

Zweck des Gitters ist es die Portale des Querhauses, den davorliegenden Sternenteppich der Kulturstiftung Kölner Dom und den Zugang zur Domschatzkammer vor Vandalismus und Verunreinigung zu schützen. Die Erfahrungen der vergangenen Jahre haben gezeigt, dass dies leider allzu notwendig ist. Zugleich wurde der Eingang zur Domschatzkammer barrierefrei gestaltet. Ein wichtiges Anliegen war es der Hohen Domkirche, keine schlichte Absperrung des Bereiches zu errichten, sondern vielmehr die Nordseite des Domes gleichzeitig durch ein künstlerisch gestaltetes Gitter zu zieren und aufzuwerten. Dies ist Johannes Nagel und allen an der Ausführung beteiligten Metallbauern und Steinmetzen hervorragend gelungen.

Finanziert wurde das Gitter durch die Kulturstiftung Kölner Dom. »Der Kulturstiftung Kölner Dom ist es ein großes Anliegen, die wertvollen Portale des Domes künftig vor Vandalismus schützen zu können«, sagt Helmut Heinen, Vorsitzender der Kulturstiftung. »Daher hat die Stiftung das Projekt mit 250.000 Euro maßgeblich unterstützt und so dazu beigetragen, nicht nur für die Portale, sondern auch für die Sterne des Generationenprojekts ›11.000 Sterne für den Kölner Dom‹ eine würdige Umgebung zu schaffen.«

Ein Video zur Aufstellung des Gitters finden Sie unter: Neues Gitter an der Nordseite des Kölner Domes

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