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Kölner Domblatt 2021 erschienen

Pünktlich vor Weihnachten ist im Kölner Domverlag die 86. Folge des Kölner Domblattes, des Jahrbuches des Zentral-Dombau-Vereins (ZDV), erschienen. Im kommenden Jahr kann das Domblatt auf eine 180-jährige Tradition zurückblicken. Zwischen 1842 und 1892 erschien es als Beilage der Sonntagsausgabe der Kölnischen Zeitung, anfangs wöchentlich, später in immer größeren Abständen. Zum Domjubiläum 1948 wurde es wiederbegründet und erscheint seither als Jahrbuch.

© Hohe Domkirche, Dombauhütte

Kölner Domblatt 2021

Der Präsident des ZDV Michael Kreuzberg freut sich über die Herausgabe des neuen Domblattes: »Wie jedes Jahr berichten, erklären und informieren die Autoren des Domblattes über getane Arbeiten im und am Kölner Dom, erhellen kunsthistorisch und handwerklich Hintergründe der dargestellten Themen, geben einen Überblick über die Arbeit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Dombauhütte als weltweit führende Restaurierungsstätte und stillen damit Wissensdurst und Unterhaltungsbegehr der Leserinnen und Leser. Ich bin dankbar für alle Mitglieder und Freunde, die mit ihren Beiträgen und Spenden die Arbeit der Dombauhütte erst möglich machen. Ich danke allen Mitwirkenden für die hervorragende Arbeit und wünsche allen Domblattleserinnen und -lesern viel Vergnügen … damit der Dom uns bleibt!«

»Die Beiträge des Domblattes lenken den Blick wieder auf viele historische Details und spannende Geschichten zu unserer Kölner Kathedrale«, so Dompropst Msgr. Guido Assmann. »Ganz herzlich sei allen Autoren gedankt, die sich so fundiert wie fesselnd mit dem Dom auseinandergesetzt haben. Danken möchte ich auch den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Dombauhütte, deren unermüdlicher Einsatz im Domblatt dokumentiert wird. Vor allem die Abnahme des Hängegerüstes Anfang Oktober war ein spektakuläres Ereignis, das ich selbst aus nächster Nähe miterleben durfte. Schließlich danke ich unserem ZDV. Ohne ihn gäbe es am Dom so manches nicht. Auch nicht dieses facettenreiche Jahrbuch.«

Auch Dombaumeister Peter Füssenich freut sich über das neue Domblatt: »Für mich ist das Jahrbuch einerseits die Essenz der im vergangenen Jahr geleisteten Arbeiten am Dom und andererseits ein Beleg der schieren Fülle an kulturhistorischen Themen rund um die gotische Kathedrale, da es alljährlich neue Aspekte zu Bau, Ausstattung und Geschichte in den Blick nimmt. Mein herzlicher Dank gilt allen Mitgliedern des ZDV, die durch ihre Beiträge unsere Arbeit und auch das Domblatt erst ermöglichen, den Autoren und nicht zuletzt unserem Archivleiter Klaus Hardering und allen KollegInnen des Dombauarchivs und des Kölner Domverlags, die an der Redaktion mitgearbeitet haben. Gedankt sei auch dem medienzentrum süd in Köln für die wie immer perfekte Zusammenarbeit, namentlich Katharina Schwadorf und Roland Zipper.«

Zum Inhalt des Domblattes 2021
Wie gewöhnlich steht am Beginn des Jahrbuchs der Dombaubericht von Dombaumeister Peter Füssenich. Die geringen Besucherzahlen aufgrund der Covid-19-Pandemie wurden genutzt, die im vergangenen Jahr begonnenen, im Normalbetrieb nur schwer umsetzbaren Reinigungs- und Konservierungsmaßnahmen am historischen Mosaikfußboden im Domchor und an den Naturstein-Fußböden in den Chorkapellen fortzuführen. Gleichzeitig wurde der gesamte Natursteinboden des Lang- und Querhauses dank der großzügigen Unterstützung des Kärcher-Kultursponsorings einer Grundreinigung unterzogen. Die im Laufe der Jahrzehnte dunkelgrau gewordenen Böden strahlen nun im hellen Ocker des Obernkirchener Sandsteins und geben dem gesamten Dominnenraum ein helleres Erscheinungsbild. Das gewaltige Hängegerüst am Nordturm wurde im Laufe des Jahres zurückgebaut und Anfang Oktober 2021 unter regem Interesse der Öffentlichkeit mit einem Schwerlastkran abgenommen. Weitere Schwerpunktbaustellen waren, wie in den vergangenen Jahren, das Michaelportal, die Südquerhausfassade und das Strebewerk der Domsüdseite sowie die Restaurierung der Chorobergadenfenster und die Teilrekonstruktion der Fenster des sogenannten Welterzyklus. Am Domchor und am östlichen Nordturmpfeiler wurde die im Vorjahr begonnene behutsame Reinigung und Konservierung der mittelalterlichen Trachytbereiche fortgesetzt.

In seinem an den Dombaubericht anschließenden Bericht stellt der stellvertretende Dombaumeister Albert Distelrath die zunehmende Bedeutung der Digitalisierung von Arbeitsprozessen in der Dombauhütte vor. An verschiedenen Beispielen führt er aus, in welchen Bereichen die Digitalisierung in den vergangenen Jahren Einzug in die Arbeit der Dombauhütte gehalten hat, etwa für die Planung und Vorfertigung von Werkstücken, für die Erstellung von Bildhauermodellen, die Schadens- und Maßnahmenkartierung oder das Baumonitoring.

Auf die Beiträge zu den Arbeiten der Dombauhütte folgen vier größere kunst- und kulturhistorische Beiträge, die sich in diesem Jahr den mittelalterlichen Chorschrankenmalereien, dem Altar der Stadtpatrone von Stefan Lochner und der Förderin der Domvollendung Sibylle Mertens-Schaaffhausen widmen.

Christian Freigang analysiert in seiner narratologischen Studie die ebenso komplexen wie durchdachten Erzählstrukturen der auf den Chorschrankenmalereien dargestellten Heiligenlegenden, ihre architektonischen Rahmungen und ihre Beziehungsgeflechte untereinander sowie zu den darunter dargestellten chronologisch fortlaufenden Zyklen römischer und römisch-deutscher Kaiser sowie Kölner Bischöfe und Erzbischöfe. Nach dem Vorbild zeitgenössischer Chronistik, etwa der »Flores temporum«, einer am Ausgang des 13. Jahrhunderts entstandenen franziskanischen Chronik, bilden die Herrscherlisten das chronologische Grundgerüst, in das die darüber dargestellten Legenden der Heiligen eingewebt werden. Der anonyme Autor der »Flores temporum« bemüht dafür das Bild eines sich verzweigten Dornbuschs, aus dessen Dornen »die paradiesischen Lilienzweige der Heiligen hervorsprießen«. Insgesamt schreiten die Kaiser- und Bischofsreihen sowie die Erzählstränge, die unterschiedlich große, sich teilweise überlappende Zeiträume umfassen, auf den Chorschrankenmalereien von Ost nach West fort, von der Vor- und Kindheitsgeschichte Jesu in Richtung Gegenwart und Weltgericht.

Gleich zwei Aufsätze setzen sich mit dem Altar der Stadtpatrone von Stefan Lochner auseinander. So spürt Astrid Lang den vielfältigen Spiegelungen auf dem Altar nach. Dabei handelt es sich zum einen um illusionistische Spiegelungen des ursprünglichen Aufstellungsortes. So kann die Autorin zeigen, dass sich die Kirchenfenster der Ratskappelle nicht nur in den Beinschienen der Thebäer, sondern auch in zahlreichen Bergkristallen und Edelsteinen widerspiegeln – hier sogar mit deutlich erkennbaren Maßwerkformen. Im übertragenen Sinne spiegelt sich in dem Altarbild das Repräsentationsbedürfnis des Kölner Rates. Insbesondere zum Einzug und zur Huldigung Kaiser Friedrichs III. in Köln 1442 kann Lang eine Vielzahl an Bezügen nachweisen. Unter anderem legt sie nahe, die Darstellungen der Heiligen Drei Könige als Kryptoporträts der aufeinander folgenden Kaiser Sigismund, Albrecht II. und Friedrich III. zu deuten.

Einem Detail der Werktagsseite widmet sich der Aufsatz von Harald Wolter-von dem Knesebeck: der linken Hand des Erzengels Gabriel in der Verkündigungsszene. Hier gilt sein Interesse insbesondere der Pergamenturkunde, welche den Beginn des Johannesevangeliums verbildlicht, dass in Christus das Wort Gottes Fleisch geworden ist. Anders als auf zeittypischen Verkündigungsdarstellungen fehlt eine sich auf den ersten Blick erschließende Darstellung der Dreifaltigkeit. Lediglich der Heilige Geist ist über dem Haupt Mariens als Taube gegenwärtig; Gottvater zumindest indirekt als Bildnis auf der Mantelschließe des Erzengels präsent. Wolter-von dem Knesebeck kann nachweisen, dass der Trinitätsbezug subtil in der mit drei Siegeln versehenen Urkunde verbildlicht ist. Von zwei Siegeln sind nur die Bänder, von dem dritten nur die Rückseite sichtbar, der ganz unscheinbar als heraldischem Symbol Christi ein Kreuz eingeschrieben ist. Öffnet man den Altar, erscheint hinter dem Siegel das auf dem Schoß der Gottesmutter thronende Christuskind.

Michael Puls würdigt in seinem Aufsatz Sibylle Mertens-Schaaffhausen (1797–1857). Die Tochter des Kölner Bankiers Abraham Schaaffhausen war bereits als Kind durch Ferdinand Franz Wallraf für Kunst und Archäologie begeistert worden. Einen Namen machte sie sich als Kunstsammlerin, Archäologin, Numismatikerin und Gastgeberin eines bedeutenden Salons. Zu ihrem Freundeskreis zählten Annette von Droste-Hülshoff und Adele Schopenhauer, mit der sie in eine Lebensgemeinschaft trat. Dem Dombau war sie als Mäzenatin eng verbunden: So sammelte sie die benötigten Gelder zur Erneuerung der Engel über den Chorkapellen, stiftete Skulpturen für die Grabtumba Konrad von Hochstadens oder organisierte Konzerte zugunsten des Dombaus. Nicht zuletzt war sie, auch wenn sie auch eher im Hintergrund agierte, eine wichtige Protagonistin in der Gründungsphase des ZDV. Michael Puls gelingt es in seiner Biografie, ihre wichtige Rolle für den Dombau, die nach ihrem Tod weitgehend in Vergessenheit geriet, in ihren zahlreichen Facetten wieder herauszuarbeiten.

Am Ende des Domblattes stehen, wie in allen Jahren, die Berichte des ZDV sowie vielfältige Berichte über die Ereignisse des vergangenen Jahres am Kölner Dom.

Das Kölner Domblatt ist zu einem Preis von 27,80 € im Buchhandel oder über den Kölner Domverlag erhältlich. Mitglieder des ZDV erhalten es als Jahresgabe.

(Angaben zum Buch: 292 Seiten, 159 Abbildungen, Klappenbroschur, fadengeheftet, 17 x 24 cm - ISBN 978-3-9823582-0-8)

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